Die Chemie der Perspektive – MDMA & Psilocybin in der Therapie
Shownotes
Diese Folge erklärt die wissenschaftliche Wirkweise von Substanzen im therapeutischen Kontext. MDMA dämpft die Aktivität der Amygdala (Angstzentrum) und flutet das System mit Oxytocin, was das Anschauen von Trauma-Material ohne Überflutung ermöglicht
. Psilocybin drosselt das Default Mode Network (DMN), lockert den inneren Kritiker und öffnet ein Fenster für Neuroplastizität, um starre Selbstbilder aufzulösen
. Die Erkenntnis ist: Die Substanzen nehmen nur die „verzerrte Brille“ des Traumas ab – der Raum der Selbstliebe gehört bereits dir und kann durch Training auch ohne Hilfsmittel dauerhaft bewohnt werden
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00:00:00: Stell dir mal vor, du trägst dein ganzes Leben lang eine Brille.
00:00:05: Aber die Gläser von dieser Brille sind komplett verzerrt, massiv zerkratzt und auch noch richtig dunkel getönt.
00:00:14: Und das Schlimmste daran ist eigentlich diese Brille flüstert hier ununterbrochen etwas zu.
00:00:20: Oh ja!
00:00:21: Eine ständige Stimme im Hintergrund.
00:00:22: Ganz genau sie sagt ihr die ganze Zeit dass Du in Gefahr bist Dass du irgendwie nicht genug bist und dass du die Welt da draußen extrem genau im Auge behalten musst, nur um überhaupt zu überleben.
00:00:35: Und das Verrückte ist ja?
00:00:36: Du kennst es gar nicht anders!
00:00:38: Für dich ist das die absolute Normalität.
00:00:40: Richtig
00:00:41: aber dann stell dir vor für ein paar Stunden nimmst du diese Brille ab zum allerersten Mal in deinem Leben und plötzlich äh... Plötzlich siehst du dich selbst und die Welt völlig klar.
00:00:52: Es ist warm friedlich Und du fühlst dich einfach sicher.
00:00:55: Das menschliche Gehirn?
00:00:56: Absolut!
00:00:57: Weil wenn Du diese Erfahrung einmal machst, dann stellt sich unweigerlich eine wirklich fundamentale Frage.
00:01:04: Nämlich was ist eigentlich die Realität?
00:01:06: Ja
00:01:06: genau das ist der Punkt.
00:01:07: Also waren diese Jahrzehnte lange Angst und der Stress die Wahrheit?
00:01:12: oder ist dieser kurze völlig neue Moment der absoluten inneren Sicherheit eigentlich da Normalzustand?
00:01:18: Genau das is unsere Mission für unseren heutigen Deep Dive.
00:01:22: Schön, dass du heute dabei bist und uns zuhörst.
00:01:24: Wir haben hier nämlich einen unglaublich fasslinierenden Themenkomplex vor uns liegen.
00:01:29: Oh
00:01:29: ja da liegt einiges auf dem Tisch heute!
00:01:31: Total
00:01:31: also wir haben hier einen ganzen Stapel von Notizen, von therapeutischen Aufzeichnungen und auch knallharte FMRT Studien zur Reaktivität unseres Geherns.
00:01:42: Und um das direkt mal vorwegzunehmen, es fallen in diesen Dokumenten Begriffe wie die Polyvagaltheorie.
00:01:49: Also grob gesagt die Idee dass unser Nervensystem verschiedene Gänge hat weißt du so von sozialer Verbindung bis hin zu Kampf oder Flucht?
00:01:57: Genau und auch die somatische emotionale Integration wird stark thematisiert
00:02:01: Richtig was im Grunde ja einfach bedeutet dass wir Emotionen nicht nur im Kopf irgendwie zerdenken können sondern sie auch wirklich körperlich verarbeiten müssen.
00:02:11: letztendlich in einer großen zentralen Frage.
00:02:14: Wie entsteht eigentlich tiefe innere Sicherheit?
00:02:17: Ja, wir schauen uns dabei heute nicht nur an wie bestimmte Substanzen also ganz spezifisch sprechen wir hier von MDMA und Psilocybinen diesen Zustand kurzzeitig aufschließen können.
00:02:27: Genau das ist nämlich nur der Einstieg.
00:02:29: Wir wollen vor allem verstehen was da rein mechanisch im Gehirn passiert Und wie wir diese Mechanismen dann in unseren ganz normal nüchternen Alltag integrieren können
00:02:39: ohne Substancen Exakt.
00:02:41: Ohne Substanzen!
00:02:43: Es geht hier um die Biologie der Sicherheit, also diesen fundamentalen Wechsel von purem Überleben hin zu echtem Leben.
00:02:51: Okay... Also lass uns das mal systematisch auspacken.
00:02:55: Um zu verstehen wie wir unseren eigenen Zustand überhaupt verändern können müssen wir uns paradoxerweise erst einmal ansehen was im Gehirn passiert wenn das künstlich gemacht wird quasi so auf Knopfdruck.
00:03:06: Ja, die Studien und auch die ganzen Erfahrungsberichte gehen da ja sehr detailliert auf MDMA in der Traumotherapie ein.
00:03:13: Genau!
00:03:13: Und da frage ich mich was genau passiert da eigentlich unter der Haube?
00:03:16: Also wie kann eine bloße Substanz dieses tiefe Gefühl von Sicherheit erzeugen?
00:03:21: Um das wirklich zu greifen müssen wir uns das Gehirn unter Stress ansehen bei traumatisierten Menschen oder auch beim Menschen, die einfach unter chronischem Dauerstress stehen.
00:03:32: Da ist das Alarmzentrum des Gehirns also die Amygdala Permanent hyperaktiv.
00:03:37: Die feuert also ununterbrochen?
00:03:39: Richtig!
00:03:40: Und wenn nun MDMA ins Spiel kommt, dann fungiert das neurobiologisch wie ein massiver Sicherheitsschalter.
00:03:48: Es flutet das System mit Serotonin und vor allem auch mit Oxytocin.
00:03:52: Ah, Oxytocyne – das kennen ja viele so als das sogenannte Kuschelhormon oder?
00:03:58: Ja genau
00:03:59: Also das, was auch beim Stillen oder beim Umarmen ausgeschüttet wird?
00:04:03: Wenn ich das richtig im Kopf habe.
00:04:04: Das
00:04:04: ist der populäre Begriff dafür.
00:04:07: Aber was es auf neurobiologischer Ebene macht, das ist viel tiefgreifender als nur ein bisschen Geborgenheit zu spenden.
00:04:13: Okay!
00:04:14: Das signalisiert den Kauker wirklich auf zellulärer Ebene absolute unumstößliche Sicherheit und gleichzeitig – und dass es jeder eigentliche therapeutische Durchbruch – wird die Aktivität dieser hyperaktiven Amygdala nachweislich massiv gedämpft.
00:04:28: Warte mal, also wenn die Amygdala unser innerer Feueralarm ist.
00:04:32: Der ständig nach Bedrohungen scannt?
00:04:35: Dann haben traumatisierte Menschen im Grunde einen Feuer Alarm der schon losgeht, wenn man nur ein Toast etwas zu dunkel röstet!
00:04:41: Das ist ein extrem gutes Bild.
00:04:43: Exakt so ist es.
00:04:45: Krass Bei diesem Menschen isst nämlich die regulierende Verbindung zwischen dem präfrontalen Cortex Also dem rationalen denkenden Stirnhirn und der amygdaler oft gestört
00:04:54: Verstehe.
00:04:55: Der Cortex kann der Amygdala dann einfach nicht mehr sagen, hey entspann dich das ist nur ein Toast kein Hausbrand.
00:05:01: Und MDMA schaltet nun diesen überdrehten Alarm fast komplett stumm.
00:05:05: Wow!
00:05:05: Gleichzeitig wird der sogenannte ventrale Vagusnerv aktiviert und da sind wir wieder bei der Polyvagal Theorie die du ja vorhin schon erwähnt hattest.
00:05:13: Dieser Nervenstrang ist der Hauptakteur für unser System der sozialen Verbundenheit und der Ruhe.
00:05:18: Also der Bedrohungsmodus geht aus und der Verbindungsmodos geht an
00:05:22: Ganz genau.
00:05:23: Und weil dieser Feueralarm dann endlich mal still ist, können diese Patienten sich plötzlich extrem schmerzhafter Erinnerungen ansehen.
00:05:32: Und zwar ohne dass ihr Körper sofort in so eine Panikattacke oder in absolute Dissoziation flüchtet.
00:05:37: Richtig!
00:05:38: Sie können sich ihr Traume anschauen, ohne es in dem Moment direkt wieder als lebensbedrohlich zu durchleben – das ist dieses MDMA-Profil.
00:05:45: Aber äh….
00:05:46: Dann gibt's in der Forschung noch eine zweite wirklich enorm spannende Komponente.
00:05:51: Du meinst das Psylozibin?
00:05:52: Ja genau, Psyllozibine.
00:05:54: Weil das wirkt über einen völlig anderen Mechanismus.
00:05:57: Ich erinnere mich an die Aufzeichnungen, die beschreiben dass eher als so ein Schalter für Neuroplastizität.
00:06:06: Wie genau unterscheidet sich das denn jetzt von diesem MDMA-Mechanismus?
00:06:10: also Psilocybin dockt an einen ganz spezifischen Serotoninrezeptor an.
00:06:14: Das ist der Fünf-HT IIa Rezeptor und wenn der stimuliert wird, führt das zu einer drastischen Drosselung von einem ganz bestimmten Netzwerk in unserem Gehirn dem sogenannten Default Mode Network kurz DMN.
00:06:30: Ist das so was wie diese ganzen Hintergrund-Apps auf meinem Smartphone, die ständig die Batterie leer saugen ohne dass ich sie eigentlich aktiv nutze?
00:06:37: Das ist ein hervorragender Vergleich wirklich.
00:06:40: Ja, das DMN ist das Netzwerk, das immer genau dann aktiv wird wenn wir gerade keine konkrete Aufgabe im Außen lösen.
00:06:46: Ah
00:06:46: okay!
00:06:47: Es ist zuständig für unser Tag träumen unsere mentale Zeitreise in die Vergangenheit oder eben auch in die Zukunft.
00:06:53: Klingt ja eigentlich ganz nett.
00:06:55: Ja aber und das ist eben der Haken an der Sache Es ist bei den meisten Erwachsenen auch der Hauptsitz unseres inneren Kritikers.
00:07:02: Oh!
00:07:03: Es ist genau diese Stimme, die ununterbrochen über unsere Fehler grübelt, die uns ständig mit anderen vergleicht und so starre Geschichten darüber erzählt wer wir angeblich sind.
00:07:12: Ah verstehe das ist dieser innere Dauererzähler.
00:07:16: also wenn ich das jetzt mal so zusammen baue MDMA dämpft Die Amygdala dass es dieser überempfindliche Feueralarm Und Psylozibin drosselt dieses Default-Mode Network.
00:07:29: Genau,
00:07:30: das ist also wie so ein Radiosender der Vierundzwanzig Sieben eine miese Talkshow über meine eigenen Unzulänglichkeiten sendet!
00:07:36: Und
00:07:37: das passiert alles gleichzeitig in der Therapie?
00:07:40: Naja... In der Therapien wird oft das eine oder das andere genutzt aber die Mechanismen greifen eben diese beiden großen Störfaktoren an.
00:07:48: Und jetzt kommt das wirklich entscheidende Puzzleteil.
00:07:50: Ich höre... Die
00:07:51: Luzibin öffnet durch diesen Vorgang ein Fenster massiv erhöhter Formbarkeit im Gehirn, also dass was wir Neuroplastizitäten nennen.
00:07:59: Aha!
00:07:59: Stell dir vor deinem Gehirnen ist wie so einen Schneebedeckter Hügel auf dem du jeden Tag schieffährst.
00:08:05: Die Spuren im Schnee sind deine alten Denkmuster und die sind irgendwann so tief, dass du da automatisch immer wieder hineinrutschst.
00:08:12: Ja, das kennt glaube ich jeder.
00:08:13: man fällt immer wieder in die gleichen mentalen Rillen?
00:08:16: Exakt
00:08:17: Und Psylozibin ist jetzt wie ein frischer, sehr starker Schneefall.
00:08:22: Plötzlich sind die alten Spuren komplett verdeckt und du kannst völlig neue Pfade ziehen!
00:08:27: Okay das leuchtet absolut ein – also in dieser entstandenen Lücke sprich wenn der Alarm aus ist, der innere Kritiker endlich mal die Klappe hält und der Schneefrisch gefallen ist da kann man alte extrem tiefsitzende Glaubenssätze völlig neu bewerten.
00:08:41: Ganz genau
00:08:42: Also wenn ich tief in mir drin diesen Satz trage Ich bin nur liebenswert, wenn ich funktioniere.
00:08:50: Dann schaue ich mir diesen Satz plötzlich nicht mehr durch die Augen von so einem verängstigten Kind an – sondern durch den Augen eines Reifen liebevollen Ichs!
00:09:00: Absolut und das ist der Punkt an dem Heilung passiert.
00:09:03: Nicht dadurch dass man die Vergangenheit irgendwie vergisst, sondern durch diese völlig neue Bewertung aus einer Position der absoluten Sicherheit heraus.
00:09:11: Das klingt wahnsinnig schön aber hier wird es für mich jetzt wirklich interessant.
00:09:17: Okay.
00:09:17: Weil ich muss ganz ehrlich sein, als ich diese Berichte gelesen habe da kam in mir ein massiver Zweifel hoch.
00:09:25: Ein Zweifl den vermutlich jeder hätte der uns gerade zuhört.
00:09:29: Was für einen Zweifle?
00:09:30: Naja wenn dieser wundervolle Zustand von Frieden und Verbundenheit und Selbstakzeptanz durch Chemie also eine Pille oder Pilze ausgelöst wird drängt sich nicht sofort der Gedanke auf war das überhaupt echt?
00:09:46: Ah, ja.
00:09:47: Oder war das einfach nur ein künstlicher Rausch?
00:09:50: Irgendwie so'n genialer Taschenspielertrick von meinem Gehirn?
00:09:53: Ja!
00:09:53: Das ist tatsächlich der intuitivste und logischste Einwand den man haben kann.
00:09:56: Eben Aber die psychologischen Modelle Und vor allem auch die Erfahrungsberichte der Therapeuten Die widersprechen diesem Trugschluss total vehement.
00:10:04: Und hier kommt genau deine Metapher vom Anfang wieder ins Spiel Die mit der Brille.
00:10:08: Dass die Brille verzerrt ist
00:10:09: Ganz genau.
00:10:10: Die Erkenntnis der Patienten nach solchen Sitzungen ist nämlich fast nie, oh die Substanz hat mir jetzt eine wunderschöne rosa-rote Brille aufgesetzt und mir eine Traumwelt vorgegaukelt.
00:10:18: Sondern?
00:10:40: Diese scharfe, diese liebevolle und verbundene Sicht auf sich selbst.
00:10:45: Das war gar keine chemische Illusion?
00:10:48: Nein!
00:10:49: Die verzerrte Wachsamkeitsbrille die man sonst jeden verdammten Tag trägt, das ist die eigentliche Illusion.
00:10:55: Ungefeldert
00:10:55: vom Trauma – Ist die Welt wie sie in diesem ruhigen Zustand erlebt wird tatsächlich die wahre Realität.
00:11:02: Richtig Der liebevolle Blick lag ja nicht in der Pille.
00:11:06: Die Pille an sich enthält keine Liebe und keine lebensverändernden Einsichten.
00:11:10: Stimmt, dieser Blick war immer schon in den Menschen selbst vorhanden.
00:11:14: Das Gehirn hat diesen Zustand der Sicherheit selbst produziert.
00:11:18: die Substanz hat halt nur die biochemische Blockade gelöst.
00:11:21: sie hat sozusagen eine Tür geöffnet zu einem Raum der dem Menschen ohnehin schon gehört.
00:11:26: das ist ein wunderschöner Gedanke.
00:11:30: aber da muss ich jetzt mal reingretchen
00:11:33: Klar.
00:11:35: Ist es nicht wahnsinnig bequem für unser Gehirn, das Ganze einfach als chemischen Trip abzutun?
00:11:41: Wie meinst du das?
00:11:43: Ich meine wenn ich sage ach weißt du das war ja eh nur so ein Sirotoninüberschuss dann bin ich doch total fein raus!
00:11:50: Dann schiebe ich die komplette Verantwortung einfach auf die Biologie und muss in meinem echten nüchteren Alltag absolut nichts an mir verändern.
00:11:59: Oh da triffst Du den Nagel aber sowas von auf den Kopf.
00:12:02: Das ist ein brillanter Schutzmechanismus unseres Nervensystems.
00:12:05: Echt?
00:12:06: Ja!
00:12:07: Das eigene Erlebnis im Nachhinein kleinzurechnen, das schützt uns vor der Anstrengung der Veränderungen.
00:12:12: Für ein disreguliertes Nerven-System fühlt sich das Vertraute selbst wenn dieses Vertraut extrem schmerzhaft stressig oder deprimierend ist paradoxerweise immer noch sicherer an als das Unbekannte.
00:12:24: Weil das Unbekannte für diese hyperaktive Amygdala Immer erst einmal potenzielle Gefahr bedeutet, selbst wenn das Unbekannte in dem Fall eigentlich Heilung bedeuten würde.
00:12:34: Genau!
00:12:34: Das Gehirn sagt sich quasi... also ich bin zwar totunglücklich aber hey, ich lebe noch.
00:12:40: Die Strategie funktioniert doch irgendwie.
00:12:42: Lass uns bloß nix ändern.
00:12:43: Das ist schon fast ein bisschen tragisch.
00:12:46: Gut jetzt kommt die Milliarden-Dollarfrage auf die wir die ganze Zeit zu steuern.
00:12:50: Ich bin bereit
00:12:52: Wie kommen wir denn dorthin zu drück ohne diesen chemischen Schlüssel?
00:12:57: Also wie bauen wir diese drei Bausteine, die wir besprochen haben weniger Bedrohung, weniger Grübeln mehr Verbundenheit in unserem ganz normalen oft ja wahnsinnig stressigen Alltag nach?
00:13:07: Ja.
00:13:07: Das ist der wichtigste Teil!
00:13:09: Die Neuro-Wissenschaft und die Psychologie bieten uns da extrem greifbare Werkzeuge.
00:13:14: Es dauert natürlich länger als mit einer starken Substanz Klar Aber durch die Neuroplastizität, die Wir durch tägliches Training selbst erzeugen können verankert es sich eben dauerhaft.
00:13:24: Teilen wir das mal auf in die psychologische Arbeit und in die rein körperliche Regulation.
00:13:28: Okay, fangen wir mit der Psychologie an!
00:13:31: Ein faszinierendes Konzept auf der psychologischen Seite ist das sogenannte Effekt-Labeling.
00:13:35: Effekt Labeling?
00:13:37: Das ist dieses Name it to Tame It oder?
00:13:39: Genau das.
00:13:40: Also einfach nur seine eigenen Gefühle benennen.
00:13:43: Aber wie soll das rein mechanisch funktionieren?
00:13:46: Das klingt für mich ehrlich gesagt ein bisschen zu simpel So nach Kalenderspruch
00:13:50: Ja es klingt simpel, aber neurobiologisch hochkomplex.
00:13:54: Es gibt eine sehr bekannte Studie der UCLA, die genau das untersucht hat.
00:13:58: Okay was haben sie gemacht?
00:14:00: Die haben gezeigt wenn du ein extrem starkes negatives Gefühl spürst und es einfach nur verbalisierst also wenn du wirklich laut sagst da ist gerade große Angst oder ich spüre eine extreme Wut in meiner Brust dann passiert etwas Erstaunliches!
00:14:15: Was
00:14:15: denn?!
00:14:16: Das bloße in Worte fassen, senkt die Durchblutung und die Aktivität der Ermügteler sofort messbar ab.
00:14:22: Warte
00:14:23: ernsthaft?
00:14:24: Also es ist keine Magie sondern es leitet buchstäblich Blut-und Energie im Gehirn um!
00:14:30: Ganz genau.
00:14:31: Indem du Sprache benutzt zwingst du dein Gehirnt dazu den präfrontalen Cortex also dieses rationale Stirnhirn von dem wir sprachen zu aktivieren.
00:14:40: Du holst die Energie aus dem Alarmzentrum ab und ziehst sie nach vorne ins Sprach- und Logikzentrum.
00:14:45: Das ist ja genial!
00:14:46: Das Gefühl an sich löst sich dadurch natürlich nicht sofort in Luft auf, aber die Intensität sinkt signifikant.
00:14:53: Du bist dann nicht mehr DIE Angst sondern du beobachtest die Angst.
00:14:56: Das bringt mich direkt zu einem weiteren Konzept das in den Quellen intensiv diskutiert wird und zwar die Schattenkindarbeit oder generell die Arbeit mit dem Inneren Kritiker.
00:15:07: ein ganz großes Thema.
00:15:08: Da
00:15:08: geht es ja auch genau um diese Beobachterrolle, man soll diesen inneren Wächter erkennen und ihn würdigen.
00:15:15: also statt gegen ihn zu kämpfen sagt man quasi ich sehe dich!
00:15:19: Ich weiß du willst mich eigentlich nur beschützen aber ich hab's jetzt im Griff Du kannst Dich kurz ausholen.
00:15:25: Ja sehr gut zusammengefasst.
00:15:26: Man tröstet diesen ängstlichen Teil also statt ihn für seine Angst noch zu bestrafen.
00:15:31: Und was du auch warum das biologisch so entscheidend ist?
00:15:34: Sag´s mir
00:15:35: Weil Widerstand gegen diese eigenen inneren Anteile des Nervensystems nur noch weiter in den Kampfmodus treibt.
00:15:40: Wenn du wütend auf deine eigene Angst bist, dann denkt die Amygdala Oh Mist!
00:15:45: Noch mehr Konflikt Alarmstufe rot
00:15:47: Stimmt.
00:15:48: das ist ja wie Benzin ins Feuer gießen
00:15:50: Exakt.
00:15:51: Akzeptanz hingegen signalisiert dem System Sicherheit.
00:15:55: Aber der mit Abstand stärkste psychologische Update-Mechanismus für das Gehirn ist, was in der Therapie oft korrigierende Beziehungserfahrungen genannt wird.
00:16:06: Korrigierender Beziehungserfahrungen – das musst du mir genauer erklären!
00:16:10: Das klingt jetzt stark nach Partherapie.
00:16:13: Es geht eigentlich um jede Art von zwischenmenschlicher Beziehungen Weißt Du?
00:16:16: Unser Gehirne lernt primär durch echte Erfahrungen nicht durch reines Nachdenken im stillen Kämmerlein.
00:16:23: Wenn alte schmerzhafte Prägungen, nehmen wir mal das Gefühl dass man sofort verlassen wird wenn man einen Fehler macht in einem neuen Zustand von absoluter Sicherheit neu erlebt werden dann passiert Magie.
00:16:35: Das
00:16:37: Gehirn kann diese alte Erinnerung buchstäblich neu abspeichern.
00:16:41: Das nennt man in der Fachsprache Erinnerungs-Neukonsolidierung.
00:16:47: Als würde mein Gehirn ein altes, fehlerhaftes Word-Dokument aufmachen.
00:16:52: Den Text darin leicht verändern und dann einfach auf Speichern drücken.
00:16:56: Ha ha!
00:16:57: Ja
00:16:57: Und ab da existiert nur noch diese neue korrigierte Version der Datei?
00:17:02: Das ist eine brillante Analogie – wirklich!
00:17:05: Genauso funktioniert Neukonsolidierung.
00:17:07: Wenn du heute einen Fehler machst und dein Partner oder vielleicht ein guter Freund verurteilt dich nicht dafür sondern bringt dir Wärme und Verständnis hingegen Dann überschreibt dein Gehirn das alte Programm von Fehler gleich Lebensgefahr einfach mit, Fehler gleich voll okay.
00:17:22: Wow!
00:17:23: Das ist ein extrem entlastender Gedanke.
00:17:26: Weißt du?
00:17:27: Wenn Du der uns hier gerade zuhört in Konflikten manchmal völlig überreagierst oder vielleicht komplett dicht machst oder einfach nur aus dem Raum flüchten willst dann ist es kein charakterliches Versagen
00:17:38: Überhaupt nicht.
00:17:39: Es
00:17:39: ist schlichtweg ein dysregulierter Nervensystem Zustand, dein Körper glaubt in diesem Moment ungelogen er sei in akuter Lebensgefahr.
00:17:46: Ganz genau so ist es.
00:17:47: wir sind biologisch einfach nicht dafür gemacht uns immer nur selbst zu beruhigen.
00:17:52: Liebevolle sichere Menschen in unserem Umfeld sind kein nice to have oder so Ein netter Lifestyle Bonus.
00:17:59: Sie sind rein biologische betrachtet der stärkste Regulator für unser eigenes Nerven System.
00:18:04: Das Gehirn braucht diese Korrigulation durch sichere Beziehungen.
00:18:07: Okay, das ist jetzt die psychologische und die soziale Seite.
00:18:10: Aber reden wir mal über den Körper?
00:18:12: Gerne!
00:18:13: Weil sprechen und denken bringt mich ja nicht wirklich weiter.
00:18:16: wenn mein Körper immer noch das Gefühl hat von einem Säbelzahntiger gejagt zu werden Wie signalisieren wir dem Körper rein physisch Hey du bist sicher
00:18:25: Die Wissenschaft liefert uns da ein paar sehr handfeste Werkzeuge.
00:18:29: Der absolute Basisfaktor Ohne den alles andere im Grund wie ein Haus auf Sand gebaut ist Das ist der Schlaf.
00:18:39: Die Daten zeigen da ganz klar, dass chronischer Schlafmangel die Reaktivität
00:18:50: Lass uns das mal in die Realität übersetzen.
00:18:53: Das bedeutet ja, eine ganz normale vielleicht etwas passiv aggressive E-Mail vom Chef ist dann nicht mehr nur ein kleines Ärgernis sondern die fühlt sich bei sechzig Prozent mehr am Mückdaller Aktivität an als wäre meine gesamte Karriere massiv bedroht.
00:19:09: Exakt!
00:19:10: Weil Schlafmangel gleichzeitig auch noch die Kontrollverbindung vom Stirnhirn gehabt.
00:19:14: Oh je...
00:19:15: Ohne ausreichenden Schlaf ist dein Feueralarm also auf absolute maximale Sensibilität kalibriert und der Ausschalter funktioniert dummerweise auch nicht mehr.
00:19:24: Du bist den Reizen dann völlig ausgeliefert!
00:19:27: Okay, Schlaf?
00:19:28: Ist also nicht verhandelbar haben wir notiert?
00:19:31: was haben wir noch?
00:19:33: ein Werkzeug das in deinen Quellen stark hervorgehoben wird ist dass langsame atmen spezifisch das sogenannte Cyclic Sighing
00:19:42: Ein tolles Tool!
00:19:43: Und da muss ich zugeben, da war ich extrem skeptisch.
00:19:46: Ich meine einfach nur ein bisschen atmen...
00:19:48: Naja es ist eben nicht einfach nur Atmen Es ist ein gezielter biometrischer Heck für deinen Vargusnerv.
00:19:54: Okay Wie funktioniert der?
00:19:56: Cyclic siging bedeutet etwa fünf Minuten am Tag ungefähr sechs Atemzüge pro Minute mit einem betonten langen Ausatmen.
00:20:05: Also du atmest länger aus als du einatmest Und eine große Studie aus Stanford hat kürzlich erst gezeigt, dass diese simple Atemtechnik sogar die klassische Achtsamkeitsmeditation schlägt.
00:20:16: Inwiefern?
00:20:17: Wenn es um die akute Beruhigung und direkte Reduktion von Angst geht
00:20:21: Warte ernsthaft!
00:20:22: Fünf Minuten gezieltes Ausatmen schlagen jahrelanges Achtsamttraining.
00:20:27: wenn ich akut gestresst bin
00:20:28: Bei der akuten Stressbewältigungen auf jeden Fall
00:20:31: Wahnsinn Weil
00:20:32: du beim verlängerten Ausatmen dein Zwerchfell nutzt, um dem Herzen mechanisch etwas mehr Platz zu machen.
00:20:38: Der Herzschlag verlangsamt sich dadurch und das meldet den Gehirn über den Vargussnerv sofort?
00:20:43: Ah der Puls ist unten!
00:20:44: Wir müssen also in Sicherheit sein.
00:20:46: Du nutz quasi den Körper, um deinen Gehirnen auszutricksen.
00:20:50: Das ist genial Wobei die klassische Meditation ja in den Daten trotzdem nicht schlecht wegkommt im Gegenteil.
00:20:56: Nein absolut nicht.
00:20:57: Regelmäßige Meditationen sind langfristig gesehen extrem mächtig.
00:21:01: Warum genau?
00:21:02: Laut Forschung ist sie nämlich der einzige Hebel, der gleichzeitig die Amygdala dämpft und dieses Default-Mode-Network also unseren Grübelerzähler herunterfährt.
00:21:12: Aha!
00:21:12: Also Sie macht beides
00:21:13: Genau.
00:21:14: Sie kommt diesem psychedelischen Zustand von Alarm aus.
00:21:16: kritiker still auf völlig natürliche Weise am nächsten.
00:21:20: aber es ist eben wie ein Muskel den man über Monate trainieren muss.
00:21:25: Das ergibt Sinn.
00:21:27: Und dann haben wir natürlich noch die körperliche Berührung, also Massagen oder auch einfach diese berühmte zwanzig Sekundenumarmung.
00:21:34: Das drückt direkt auf den Oxytocin-Knopf und senkt das Cortisol.
00:21:38: So!
00:21:39: Hier kommt jetzt der Moment wo ich mal kurz dazwischen geredchen muss...
00:21:42: Was ist los?
00:21:42: Weil ich weiß ganz genau, was jetzt im Kopf von vielen passiert.
00:21:46: Die sich so für Psychologie und Biologie interessieren!
00:21:49: Die große Gefahr ist doch jetzt, dass man sich all diese Werkzeuge nimmt – also acht Stunden Schlafen, Cyclic Sighing, Meditation, Schattenkindarbeit, zwanzig Sekunden Umarmungen… Und dann?
00:22:00: …und das man sich daraus eine gigantische knallharte Zehn-Punkte to do Liste baut.
00:22:06: So das ultimative Selbstoptimierungsprogramm für das perfekt regulierte Nervensystem.
00:22:11: Ja und genau davor warnen die Therapeuten in ihren Aufzeichnungen gerade zu flehendlich.
00:22:16: Das ist nämlich die absolute Falle unserer modernen Leistungsgesellschaft, wenn wir diese Werkzeuge der Heilung jetzt in so einen rigiden Leistungsdeck pressen dann haben wir unterm Strich rein gar nichts gewonnen.
00:22:27: Weil wir dann unsere alte, traumabasierte Wachsamkeit einfach nur in ein neues schickes Gewand gesteckt haben?
00:22:34: Genau!
00:22:35: Dann ist das Nervensystem nur wieder gestresst davon dass es nicht perfekt entspannt ist.
00:22:39: Das ist so absurd aber so warm!
00:22:42: Das darf auf keinen Fall ein neues Leistungsprogramm werden.
00:22:47: Die goldenen Regel hier lautet Regelmäßigkeit.
00:22:49: im Einfachen schlägt Vollständigkeit.
00:22:52: Das ist ein guter Merksatz.
00:22:53: Es geht nicht darum, jeden Tag alle Tools perfekt abzuhaken.
00:22:57: Es geht vielmehr darum dem Körper kontinuierlich aber mit ganz viel milde kleine Signale der Sicherheit zu senden.
00:23:04: Wenn das heute nur drei tiefe Atemzüge sind dann sind es halt nur drei Tieferatemzügen.
00:23:08: Der Stress perfekt heilen zu wollen verhindert die Heilung.
00:23:12: Das ist ein extrem starker Satz.
00:23:15: Also was nehmen wir mit aus unserem heutigen Deep Dive?
00:23:18: Wir haben gesehen wie bestimmte Substanzen im Gehirn als eine Art strenge, aber extrem liebevolle Lehrer fungieren können?
00:23:27: Sie reißen eine Lücke auf.
00:23:29: Alarm aus, grübeln aus Verbundenheit an.
00:23:33: Und sie zeigen uns dadurch das unser wahres ruhiges Selbst hinter dieser Filterbrille des Traumers immer schon da war!
00:23:40: Es war nie weg – es war nur von Stress
00:23:43: verdeckt.".
00:23:43: Und wir haben heute gelernt dass wir eben nicht auf chemische Schlüssel angewiesen sind um diesen Raum der Sicherheit dauerhaft zu betreten.
00:23:50: Wir können diesen Zustand durch ausreichend Schlaf, durch gezielte Atmung, durch die Benennung unserer Gefühle und vor allem durch sichere Beziehungen im Alltag selbst trainieren.
00:23:59: Es geht langsamer, ja.
00:24:00: Aber dafür verankern wir es durch unsere eigenen Neuroplastizität dauerhaft!
00:24:06: Wir verändern buchstäblich die Struktur unseres eigenen Gehirns.
00:24:10: Es gilt einfach nur darum diese dunkle verzerte Brille Schritt für Schritt Tag für Tag ein kleines bisschen weiter von der Nase zu schieben.
00:24:19: Aber bevor wir uns heute verabschieden, möchte ich noch auf einen letzten sehr spannenden Gedanken hinaus.
00:24:25: Ein Gedanke der mir nach all diesen wissenschaftlichen Erklärungen wirklich im Kopf geblieben ist!
00:24:31: Wir in unserer modernen Welt sind ja geradezu besessen von der Idee der völligen Unabhängigkeit – wir wollen alles allein schaffen, self-made sein und selbst heilen, meditieren bis wir absolut niemandem mehr brauchen….
00:24:46: Das ist ein extrem wichtiger Punkt.
00:24:47: Fand ich auch!
00:24:48: Wenn wir die Biologie der Co-Regulation, die wir vorhin besprochen haben, nämlich wirklich ernst nehmen, dann stellt sich da eine sehr provokante Frage.
00:24:56: Nämlich...
00:24:57: Was wenn dieser drängende Impuls völlig unabhängig sein zu wollen und alles mit sich selbst ausmachen zu müssen gar keine echte Stärke isst?
00:25:07: Was wenn diese viel gelobte Hyperunabhängigkeit selbst eigentlich nur eine Traumareaktion
00:25:13: iess?!
00:25:14: weil wir irgendwann gelernt haben, dass andere Menschen gefährlich oder zumindest unzuverlässig sind.
00:25:20: Genau!
00:25:21: Und was wenn dieser Versuch völlig autark und unverletzlich durchs Leben zu gehen?
00:25:27: Genau das ist, was uns am Ende von der echten Heilung erblädelt.
00:25:31: Weil echte Tiefverheilungen unseres Nervensystems letztendlich genau das voraussetzt vorvor wir oft am meisten Angst haben nämlich uns unsere eigene Verletzlichkeit einzugestehen und uns wieder zu erlauben, andere Menschen wirklich zu brauchen.
00:25:48: Das ist definitiv etwas worüber es sich nachzudenken lohnt finde ich.
00:25:53: Danke dass du uns heute auf dieser Reise in das menschliche Nervensystem begleitet hast!
00:25:58: Wir hoffen, du nimmst etwas Wertvolles für dich mit.
00:26:02: Bis zum nächsten Mal.
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